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Tagebücher von Victor Klemperer

Lesung- Tagebücher von Victor Klemperer- „Ich will Zeugnis ablegen“ 

Was würde Victor Klemperer, ein Mann, der selbst Zeitzeuge einer der dunkelsten Phasen deutscher Geschichte war, uns wohl heute mit auf den Weg geben? 

Am 24.02.2026 besuchten wir, der Deutschkurs 11DE1 von Frau Gießmann, eine Lesung im Klemperer-Saal der SLUB Dresden. Der Schauspieler Renatus Deckert hatte verschiedene Auszüge aus Klemperers umfassenden Tagebüchern zusammengestellt, die uns rund 90 Jahre in die Geschichte zurückversetzten. 

Dabei erfuhren wir von den ersten Diskriminierungen bis zur Bombardierung der Stadt Dresden und dem Überleben im Chaos, von Mut in einer finsteren Zeit, von all den kleinen und großen Grausamkeiten im Alltag, die dem jüdischen Romanisten in der NS – Zeit widerfuhren. Bis heute bleiben seine Aufzeichnungen einige der einzigartigsten und ehrlichsten Einblicke in die Zeit von 1918 – 1959. Zudem zeigen seine Werke, wie das Buch LTI (Sprache des dritten Reichs), auf erschütternde Weise, welche unglaubliche Macht Sprache auf die Bevölkerung hat und zur Verachtung ganzer Personengruppen führen konnte. Denn damals wie heute führt uns nichts dichter an die Seele eines Volkes heran als die Sprache, wie Klemperer selbst schrieb. 

Klemperers Vermächtnis erinnert uns daran: Wir müssen jeden Tag neu dafür einstehen, dass sich die Geschichte von 1933 nicht wiederholt und Sprache als politisches Instrument missbraucht wird. 

Für uns als Deutsch LK war die Lesung eine wertvolle Ergänzung zum Unterricht. Eine Message, die uns besonders im Gedächtnis blieb, welche Klemperer uns wohl heute mitgeben würde: Gewalt fängt schon dort an, wo durch Sprache eine Gewaltbereitschaft entsteht, wenn Sprache unsere Gedanken manipuliert und Gedanken unsere Sprache. Wenn menschliche Würde auf einmal keine Selbstverständlichkeit mehr ist, sondern eine Ausnahme.  

Marit Großmann & Luise Preidel (LK De 11/1)